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Von den Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit GM / PSA - Info Nr. 5

am .

Internationaler Informationsbrief GM-PSA

Nr. 5 – September 2014

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

hier erhaltet ihr wieder aktuelle Informationen aus unserer internationalen Konzernzusammenarbeit bei General Motors und PSA:

  1. Die Weiterentwicklung des internationalen Kampfes gegen die Schließung des Werkes von Bochum/Deutschland.

Die Schließungspläne des Werkes in Bochun von GM/Opel sind ein Politikum für die ganze internationale GM-Belegschaft, weil hier ein Exempel statuiert werden soll, eine kampfstarke Belegschaft von 5.000 Mitarbeitern auszuradieren. Zwischen GM-Brasilien und Opel-Bochum gab es bereits wichtige gemeinsame Aktionen am 1. Mai 2014:gm5-1

In Bochum haben die Kolleginnen und Kollegen in systematischer Kleinarbeit wichtige Erfolge im Kampf gegen die Schließung von Opel-Bochum erzielt. Am 24. März war eine Protestkundgebung der Gewerkschaft IG Metall gegen GM/Opel, die allerdings nur eine Nachbesserung der bereits ausgehandelten Eckpunkte für die Schließung des Werkes in Bochum forderte. Wie ihr wisst, soll das Werk mit ca. 5.000 Beschäftigten und 45.000 Beschäftigten der Zulieferbetriebe bis Dezember 2014 geschlossen werden. Die reformistische Führung der IG Metall und die Betriebsratsspitze wollen nun nur noch höhere Abfindungen und längere Transfergesellschaften verhandeln, während die klassenkämpferischen Kräfte für den Kampf um jeden Arbeitsplatz mobilisieren und einen selbständigen Streik (ohne Führung durch die IG Metall) vorbereiten. An diesem 24. März bekamen die reformistischen Führer keinen Beifall, weil sie vor den Angriffen von GM kapitulieren. Der Opel-Personaldirektor Schumacher bekam ein volles Pfeifkonzert. Im Anschluss fand eine Demonstration und Straßenblockade in Bochum statt, wo der Kampf für die Zukunft der Jugend und die ganze Region bekräftigt wurde: „Kampf um jeden Arbeitsplatz – statt Kapitulation und Abwicklungsvertrag!“gm5-2

Aus vielen Belegschaften kamen Solidaritätsadressen (aus Zulieferfirmen, von Daimler, Ford, ThyssenKrupp und dem Bergbau) und bei den Betriebsratswahlen verdreifachten die kämpferischen Kräfte der Betriebsratsinitiative „Offensiv“ ihre Sitze im Betriebsrat von 1 auf 3 von 21 Sitzen. Das ist ein deutlicher Erfolg gegen die Abwicklung des Bochumer Werks. Das konnte vor allem gegen antikommunistische Hetze erkämpft werden, wo die Geschäftsführung und die Reformisten die Kollegen einschüchtern und vom Kampf abhalten wollen: „jeder der die 'Roten' wählt (gemeint ist die Betriebstratsinitiative „Offensiv“) gefährdet seine Abfindung.“ „Da steckt doch die MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) dahinter, die wollen nur ihr Süppchen kochen.“ Das hat bei vielen nicht mehr gefruchtet und es nehmen die Kollegen zu, die sagen: „die Roten sind die einzigen, die für unsere Zukunft kämpfen und den Kniefall vor GM ablehnen.“ Ein selbständiger unbefristeter Streik gegen die Schließung der Fahrzeugproduktion wird weiter vorbereitet. Aktuell sollen die Kollegen in Bochum zu Aufhebungsverträgen erpresst werden: das heißt „freiwillig“ die eigene Entlassung unterschreiben, damit GM/Opel keine Massenentlassungen in Deutschland verkünden muss. Viele Kollegen lehnen das ab, doch um jetzt den Streik zu organisieren, braucht es noch eine geduldige und tiefgehende Überzeugungsarbeit, gemeinsam mit den „Roten“ zu kämpfen..

In Rüsselsheim und Eisenach werden weitere neue Modelle versprochen, die jedoch nicht sicher sind und vor allem eine weitere Verschärfung der Ausbeutung bedeuten. Zum Beispiel soll in Eisenach die Nachtschicht geplant werden, die die Gesundheit der Kollegen weiter kaputt macht.

2. Am 1. August jährte sich der Beginn des Kampfes der GM-Arbeiter in Bogotá / Kolumbien für ihre Arbeitsplätze zum dritten Mal. Dieser Jahrestag wurde mit einem Aktionstag in Bogotá und Detroit begangen. Aus vielen Ländern kamen Solidaritätsbotschaften. Seit dem 1. August 2011 kämpfen die Kollegen, die nach Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten entlassen wurden, um die Wiedereinstellung. Sie halten eine Mahnwache vor der US-Botschaft in Bogota, haben auch in Detroit vor dem GM-Hauptquartier demonstriert und haben lange Hungerstreiks hinter sich. Aktuell sind sie erneut in den Hungerstreik getreten. Sie erfahren weltweite Solidarität. Mit Hilfe der Gewerkschaft Sintraime im GM-Werk Bogota haben sie Gewerkschaften in den Ländern mit GM-Werken angeschrieben und zur Verstärung der Solidarität aufgerufen.

Aus Indien kam als Antwort ein Bericht über den 42-Tage-Streik im Jahr 2011, der sich unter anderem gegen krank machende Arbeitsbedingungen richtete. Damals hatten sich bereits 269 von 1600 Arbeitern wegen Schädigungen der Wirbelsäule (Für Übersetzer: spinal cord damage) beklagt, verursacht durch schwere Lasten.

Auch im Werk Eisenach in Deutschland berichten Kollegen von 150 schwerbehinderten Kollegen, die vor 20 Jahren alle gesund eingestellt worden waren. Krank machende Arbeitsbedingungen gibtgm5-3

es bei GM auf allen Erdteilen, wobei die psychischen Erkrankungen besonders schnell zunehmen. Mit dem

Kampf gegen die Überausbeutung der Arbeitskraft muss sich

die Arbeiterbewegung international in

Zukunft notwendiger

weise intensiv beschäftigen!

Besonders in den USA

gibt es eine aktive Solidaritätsbewegung

für die kämpfenden Kollegen in Kolumbien, ausgehend vom Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit

bei GM, Frank Hammer

und anderen. Am 7. September fand vor

dem Cobo-Center, wo

die GM-Chefin Mary

Barra an dem

Tag sprach, erneut eine Kundgebung statt.

Auch die deutsche Koordinierungsgruppe für die 1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz hat eine Solidaritätsbotschaft nach Bogota geschickt:

Liebe Kollegen von ASOTRECOL,

Wir senden Grüße zur Feier zum dritten Jahrestag eures Kampfes der verletzten Arbeiter bei GM in Bogota. Wir sind solidarisch mit eurem mutigen und harten Kampf für die Wiedereinstellung. (…)

Wir sind von der deutschen Koordinierungsgruppe für die 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz. Diese Konferenz wird im Oktober 2015 in Deutschland stattfinden. Wir fördern, dass die Arbeiter aus den Automobil- und Zulieferbetrieben weltweit solidarisch sind, sich gegenseitig in ihren Kämpfen unterstützen. Das Ziel der Konferenz ist, Erfahrungen auszutauschen, sich kennen zu lernen und diese Kämpfe zu koordinieren. Wir laden euch ein, an diesem Prozess mitzuwirken (Infos unter www.iaar.de).

Hoch die internationale Solidarität!”

Die Kollegen in Kolumbien haben sich sehr herzlich für die Solidarität aus Deutschland bedankt. Sie schrieben u.a.:

Ohne Zweifel ist es notwendig, den harten Kampf weiterzuführen. Dafür ist die weltweite Arbeitereinheit lebensnotwendig. Es gibt uns viel Kraft, dass unsere Brüder und Genossen in Deutschland an uns denken. Wir haben großen Respekt und Bewunderung für die großen Kämpfe, die ihr geführt habt. Wir wissen, wie schwer es ist, die Rechte der Arbeiter zu verteidigen. Mit unserer Überzeugung von Gerechtigkeit werden wir auch harte und schwierige Tage meistern. Aus Kolumbien senden wir einen brüderlichen und kämpferischen Gruß an unsere Brüder im Kampf aus Deutschland. Vielen Dank!“

3. In Südkorea haben die Kollegen bei GM im Juli eine Lohnerhöhung erkämpft. Zunächst weigerte sich das GM-Management, auf die Forderung nach einer Lohnerhöhung um 110 Dollar im Monat einzugehen. Einen Tag vor der Urabstimmung über Streik meinte der Chef von GM Korea, Sergio Rocha, den Arbeitern mit Produktionsverlagerung aus Korea drohen zu können: „Die Folge eines Streiks könnte viel schlimmer sein als wir es uns vorstellen können.“ Die Urabstimmung brachte dann erst recht ein klares Votum der 14.000 Arbeiter für Streik. Zwei Wochen später gab GM dann nach und stimmte einer Lohnerhöhung von 63 Dollar im Monat zu (etwa 3,3%) plus eines hohen Bonus für jeden Arbeiter.

Das Koreanische Werk Gunsan ist besonders von der Entscheidung betroffen, den Verkauf von Chevrolet in Europa (außer Russland und den GUS-Staaten) einzustellen. Auch wird der Teil der Produktion des Opel Mokka, der für Europa bestimmt ist, von Korea nach Zaragoza verlagert. Andererseits ist mit der Einstellung des Verkaufs von Chevrolet in Europa auch die Verlagerung des Chevrolet Cruze nach Gliwice gestoppt. Es zeigt sich, dass die Verschiebung der Produktion in erster Linie andere Gründe hat als die Lohnhöhe. GM wird nie aufhören, uns mit solchen Drohungen zu erpressen. Die internationale Arbeitereinheit ist unsere entscheidende Antwort dagegen. Die Koreanischen Kollegen haben offenbar gelernt, mit der Erpressung fertig zu werden.

Zur aktuellen Streikbewegung in Südkorea erhielten wir einen Bericht von Freunden aus Frankreich:

Für die französisch-Übersetzer hier das Original: „...heures de travail à rallonge, cadences infernales, précarisation, répression anti-syndicale. Mais les travailleurs coréens ne se laissent plus faire et engagent la riposte.

Le mouvement de grèves qui touche l’industrie automobile est une première. Non que le secteur soit calme ces dernières années : ainsi, c’est la troisième année de suite que Hyundai connaît des mouvements de grève, et Renault a connu huit grèves partielles depuis le début de l’année.

La nouveauté, c’est que ces grèves ont pris une forme coordonnée, entre les salariés de Hyundai et Kia. Le 14 août, 70 % des 47 000 syndiqués de Huyndai ont voté la grève, rejoint par les 30 000 syndiqués de Kia. Ce 22 août, une grève de 4 heures a été organisée chez Hyundai et Kia.

Ce sont désormais les ouvriers de Renault (propriétaire de Samsung Motors) qui partent pour un mouvement de grève. Ils ont refusé le 29 août un plan de la direction – après plusieurs grèves perlées, partielles depuis juillet – bien inférieur à leurs attentes.“

„...lange Arbeitszeiten, höllisches Arbeitstempo, Rechtlosigkeit, Unterdrückung der Gewerkschaftsarbeit. Aber die koreanischen Arbeiter lassen sich nichts mehr gefallen und geben die richtige Antwort.

Die Streikbewegung in der Autoindustrie ist eine Premiere. Nicht dass die Branche in den letzten Jahren ruhig gewesen wäre: Bei Hyundai ist es das dritte Jahr in Folge mit Streiks und bei Renault gab es acht Teilstreiks seit Jahresbeginn.

Neu ist, dass diese Streiks eine koordinierte Form angenommen haben zwischen den Beschäftigten von Hyundai und Kia. Am 14. August haben 70% der 47.000 Gewerkschafter bei Hyundai für Streik gestimmt, dem schlossen sich die 30.000 Gewerkschafter von Kia an. Am 22. August wurde ein vierstündiger Streik bei Hyundai und Kia organisiert.

Dann sind die Arbeiter von Renault (Eigentümer von Samsung Motors) in eine Streikbewegung eingetreten. Sie haben am 29. August einen Plan der Direktion abgelehnt – nach einer ganzen Kette von Teilstreiks seit Juli – der deutlich unter ihren Lohnerwartungen lag.“

4. Anfang Juli musste GM die Produktion im Werk Port Elizabeth in Südafrika einstellen, nachdem ein Zulieferbetrieb wegen Streik ausgefallen ist. 220.000 Metallarbeiter haben im bisher größten Metallarbeiterstreik des Landes vier Wochen lang für 12-15 Prozent höhere Löhne gestreikt. Am Ende stand ein Teilerfolg, der den unteren Lohngruppen drei Jahre lang je 10 Prozent mehr Lohn bringt, den oberen 7-8 Prozent. Dieser Streik knüpfte am Erfolg des großen Streiks der Platinarbeiter im Juni an.

5. Die Arbeiterklasse und die kämpferischen Bewegungen Brasiliens haben die Fußball-Weltmeisterschaft in ihrem Land mit massiven Kämpfen begleitet und so auch die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für ihre Anliegen genutzt. So gab es im Vorfeld der Spiele am 15. Mai einen großen Kampftag im Lande. Sie protestieren vor allem dagegen, dass Milliarden Dollar durch Prunkbauten für die Gewinne der Banken und der Bauunternehmen verschwendet werden, während das Leben der einfachen Menschen immer schwerer wird, weil das Gesundheitswesen, die Schulen, die Behausungen und der Verkehr am Boden liegen. Die Kämpfe hielten während der gesamten Weltmeisterschaft an.

6. GM hat angekündigt, dass das gesamte europäische Geschäft unter dem Dach der „Opel Group“ zusammen gefasst wird. Das schließt alle Aktivitäten, auch unter der Marke Chevrolet und einschließlich Russland und der Türkei ein. Bisher ist schwer zu durchschauen, welche Ziele GM genau mit dieser Umstrukturierung verfolgt. Wenn jemand dazu nähere Informationen oder Einschätzungen hat, würden sich bestimmt alle Kollegen in Europa freuen. Lasst es uns wissen!

7. In Deutschland planen Umwelt-Aktivisten für Ende dieses Jahres die Gründung einer „Umweltgewerkschaft“. Sie wenden sich damit auch besonders an Arbeiter und wollen mit diesem Namen zum Ausdruck bringen, dass zur Rettung der natürlichen Umwelt als Existenzgrundlage der Menschheit ein harter Kampf gegen die Verursacher der Umweltkrise nötig ist. Wir haben uns im Automobilarbeiterratschlag bereits eine klare Position erarbeitet, dass die soziale Frage und die Umweltfrage zusammen gehören. Es ist sicher in diesem Sinne empfehlenswert, dass wir uns auch international mit möglichen Organisationsformen für den Kampf zur Rettung der Umwelt vor dem Profitsystem Kapitalismus befassen. Wer sich informieren möchte: Unter www.umweltgewerkschaft.org gibt es Dokumente, auch in englischer, französischer und spanischer Sprache.

Für den Austausch von Informationen auf dem Weg der Vorbereitung der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz 2015 möchten wir darüber hinaus auch auf die Homepage der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz hinweisen: www.iaar.de

Rückmeldungen und Informationen werden wieder erbeten an

Frank Hammer (USA)

Mancha (Brasilien)

Fritz Hofmann (Deutschland)