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Internationaler Informationsbrief GM-PSA Nr. 2 – Juli 2013

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Von den Repräsentanten der internationalen Konzernzusammenarbeit GM / PSA

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freunde,

hier erhaltet ihr wieder aktuelle Informationen aus unserer internationalen Konzernzusammenarbeit bei General Motors und PSA:

1. Der Internationale Aktionstag am 1. Mai wurde in vielen Ländern aktiv durchgeführt. Wir haben den Freunden in Brasilien zu danken, die wieder Plakate in sechs Sprachen in sehr guter Qualität entworfen haben.

Diese Plakate wurden in vielen Städten von Kollegen am 1. Mai getragen, teilweise erreichten die Plakate aber auch zu spät die aktiven Kollegen. Dieser Aktionstag stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl der kämpferischen Kollegen und machte unsere internationale Konzernzusammenarbeit bekannt. Durch die Aktion ist ein neuer Kontakt zur Gewerkschaft CGT im PSA-Werk Sochaux (Frankreich) entstanden.

2. Der Streik bei PSA in Aulnay-sous-Bois (Frankreich) wurde Mitte Mai nach vier Monaten ausgesetzt und inzwischen beendet. Die Werksleitung hatte eine Reihe von Zugeständnissen gemacht. Vor allem wurden Entlassungen und Maßregelungen gegen Streikende zurück genommen. Die Regelungen für Abfindungen wurden verbessert. Im Kampf um die Verhinderung der Werksschließungen endete der Kampf jedoch mit einer Niederlage. Das ist bitter, weil die Kollegen heldenhaft, vorbildlich und als Signal für alle Arbeiter gekämpft haben. Ähnlich wie bei dem Streik der griechischen Stahlarbeiter in Aspropirgos unterstreicht das, dass heute nur schwer von einem Standort allein ein Sieg erreicht werden kann und wir dringend an unserer Standort und länderübergreifenden Einheit arbeiten müssen. Die Arbeiter von PSA in Aulnay können stolz auf diesen Kampf sein und seine Erfahrungen werden in unser kollektives Bewusstsein und in unsere zukünftigen Kämpfe einfließen.
Der Streik hat eindrucksvoll die Stärke des internationalen Industrieproletariats gezeigt, wenn es organisiert kämpft. Wer kämpft, bekommt Solidarität. Für den Streik wurden über 900.000 Euro Spenden gesammelt. Eine große Ermutigung für alle kommenden Kämpfe!
Der Sprecher der Gewerkschaft CGT, Jean-Pierre Mercier, schreibt dazu:
Für alle bleibt die Schließung des Werks inakzeptabel und ungerechtfertigt. Wenn die Beschäftigten sich entschieden haben, den Streik auszusetzen, haben sie damit nicht ihr Recht aufgegeben sich zu verteidigen.
4 Monate waren Hunderte von Beschäftigen in der Lage, PSA in Schach zu halten, dessen Hauptaktionär, die Familie Peugeot, eine der mächtigsten und reichsten Familien Frankreichs ist. Die Streikenden hatten auch die Regierung gegen sich, die die Sache der Familie Peugeot und die Aktionäre verteidigt und den Staatsapparat gegen den Streik mobilisiert hat.
4 Monate lang haben die Arbeiter gezeigt, dass es möglich ist, den Kopf oben zu behalten und gemeinsam zu kämpfen und sich nicht unterkriegen zu lassen, auch wenn sie die Schließung der Fabrik nicht verhindern oder eine unbefristete Arbeit für alle und Vorruhestand ab 55 Jahren erkämpfen konnten. Dafür wäre ein breiter, allgemeiner Kampf erforderlich gewesen.
Auf diesen langen Streik können die Hunderte von beteiligten Arbeitern wirklich stolz sein.
Die außerordentlich große Unterstützung von Zehntausenden von Werktätigen ist der schlagende Beweis, dass dieser Streik richtig war und dass viele Aktivisten und Beschäftigte ihn zu ihrem Kampf gemacht haben. Die Streikenden danken allen herzlich, die sie unterstützt und ihnen ermöglicht haben durchzuhalten.“

Wir müssen unsere Anstrengungen für eine wirksame internationale Konzernzusammenarbeit verstärken um immer besser in die Lage zu kommen, wirklich international gemeinsam solche Streiks zu führen. Eine Belegschaft alleine kann nur begrenzte Erfolge erreichen. Nutzen wir jeden Kampf als Schule für die Arbeiter um eine überlegene Kraft gegen die internationalen Monopole aufzubauen!

3. Bei Opel in Bochum kam es nach Bekanntgabe der geplanten Verlagerung der Produktion des Zafira nach Rüsselsheim zu einer erneuten Arbeitsniederlegung. 4,5 Stunden versammelten sich am 21. Mai die Bochumer Opelaner aus Früh- und Spätschicht an Tor 1. So lange wurde auch die Arbeit niedergelegt und stand die Produktion im ganzen Werk. Der Tag war geprägt von heftigen Auseinandersetzungen um die zwei Wege: Kampf oder Kapitulation! Der Weg des Streiks wie 2004 ist die einzige Sprache, die der GM-Vorstand versteht. Der Weg der Illusionen wie in die Einigungsstelle, die Hinhaltetaktik oder zahnlose „Frage und Antwortstunden“ mit Werksleiter Gellrich sind der Weg der Kapitulation.
1.500 Kollegen der Frühschicht und 800 bis 900 der Spätschicht beteiligten sich, mehr als bei den Infoveranstaltungen der letzten Zeit.

Schon vor Beginn der Versammlung war die Mehrheit der Frühschicht selbstbewusst und kämpferisch „Das muss diesmal dauern“, hörte man oft. Bei der Abstimmung der Versammlung der Frühschicht stimmten dann zirka 60 Prozent der Kollegen dafür, die Arbeit nicht wieder aufzunehmen, bis ihre Forderungen erfüllt sind: keine Werksschließung, Fortsetzung der Autoproduktion in drei Schichten in Bochum, kein Verzicht/keine Abstriche bei den Tariferhöhungen, Kampf um jeden Arbeitsplatz! Es gab nur eine Enthaltung und keine einzige Gegenstimme. Nach viereinhalb Stunden teils kontroverser Diskussionen wurde die Versammlung dann doch abgebrochen.

Der Kampf in Bochum ist entbrannt, welchen Weg die Belegschaft geht. Ein Solidaritätskreis hat begonnen Spenden für den notwendigen Streik zu sammeln. Dabei haben sie die Spenden für den Streik bei PSA Aulnay als Beweis, dass es möglich ist, einen langen Kampf solidarisch zu finanzieren.

4. Die Gewerkschaft CGT in Spanien machte eine Protestaktion bei der Automobilausstellung in Barcelona Mitte Mai. Auch streikende Kollegen von PSA aus Aulnay hatten eine Fahrt dorthin geplant, dazu kam es aber nicht mehr. Ein Vertreter der internationalen Koordinierungsgruppe aus Deutschland nahm an der Aktion teil. Die Kollegen von der CGT aus dem GM-Werk Zaragoza berichten, dass es einen neuen Tarifvertrag für ihr Werk gibt mit weiteren Verschlechterungen, der von den zwei großen Gewerkschaften unterschrieben wurde. Die CGT lehnt diesen Vertrag ab, genauso wie 34 Prozent der Belegschaft, die dagegen stimmten.

Die Kollegen der CGT bekräftigten bei der Gelegenheit, dass sie das internationale Zukunftsprogramm für GM und PSA unterstützen. Sie sendeten eine Solidaritätsbotschaft und ein T-Shirt mit Grüßen an die Opelaner in Bochum, was anlässlich des internationalen Pfingstjugendtreffens am 20. Mai übergeben wurde.

5. Anfang Mai wurde in der Konzernzusammenarbeit eine Solidaritätsbotschaft für die Belegschaft von Ferrari in Maranello (Italien) gegen die Unterdrückung der Arbeiter- und Gewerkschaftsrechte durch das Fiat-Management verbreitet und von einer Reihe von Kollegen unterstützt. Die Kollegen aus Italien haben sich unserer Zusammenarbeit aktiv angeschlossen und bekommen nun ihrerseits Solidarität.

6. Anfang Juni war anlässlich des Treffens der internationalen Koordinierungsgruppe zur Vorbereitung der Internationalen Automobilarbeiterkonferenz unter anderem auch der Kollege Mancha von der Metallgewerkschaft von Sao José dos Campos und Umgebung in Deutschland und drückte seine Solidarität mit dem Kampf bei Opel aus.

Rückmeldungen und Informationen werden wieder erbeten an

Frank Hammer (USA)
Mancha (Brasilien)
Fritz Hofmann (Deutschland)